Andrea Auffarth 2019

    Fülle des Lebens

    Gedanken zu den Blumen-Mandalas

    Die Schönheit der Natur zeigt sich das ganze Jahr hindurch, in jeder Form und Farbe, im Blühen wie auch im Verblühen. Fülle und Leben stecken in den allerkleinsten Dingen, aus denen das große Ganze besteht.

    Blumen spielen schon seit Jahrhunderten eine Rolle in der Kunst – ob als Buchmalerei, Kupferstich, Stillleben oder zeitgenössische Installation, ob naturalistisch, abstrakt oder symbolisch zu deuten. Oft geht es um das Spannungsfeld von Wachstum und Vergänglichkeit sowie von Natur und Künstlichkeit.

    Blumen und Pflanzen allgemein sind essenziell in der Naturheilkunde. Zudem ist mittlerweile wissenschaftlich erwiesen, dass Aufenthalte in der Natur das Herz-Kreislauf- und Immunsystem stärken, Kreativität und Lernfähigkeit erhöhen sowie Stress und die Anfälligkeit für Depressionen reduzieren.

    Das Sammeln und Legen der Naturmaterialien empfinde ich als meditativ und beglückend. Am Anfang stehen das aufmerksame Spazierengehen und das Bild im Kopf, welches sich mit jedem neuen Fundstück verändert. Am Ende entsteht aus der Fantasie der Natur durch meine eigene Fantasie etwas Neues. Die Perfektion des Unperfekten, wie man sie in der Natur findet, ist auch mein Anliegen während der Arbeit mit Naturmaterialien, damit dem Künstlichen das Natürliche weiterhin innewohnt. Durch das Verändern des natürlichen Kontextes wird der Betrachter dazu eingeladen, die verwendeten kleinen Kostbarkeiten neu zu entdecken.

    In jedem Mandala stecken viel Zeit und Liebe. Jedes nimmt mehrere Stunden in Anspruch, setzt eine genaue Beschäftigung mit den einzelnen „Zutaten“ voraus sowie Sorgfalt und Geduld mit den meist sehr zarten und dabei oft erstaunlich widerspenstigen Blüten und Blättern.

    Traditionelle asiatische Mandalas gelten als Träger von Essenz und weisen dem Meditierenden den Weg nach innen.So wie die Sandmandalas des tibetischen Buddhismus zu den Elementen zurückkehren, sind auch die Blumen-Mandalas vergänglich. Noch während des Legens fangen sie an, sich zu verändern, werden schließlich von mir oder vom Wind der Natur zurückgegeben und existieren nur noch als Fotografie. Das Eintauchen in die Fülle des Lebens und das achtsame Wahrnehmen des Hier und Jetzt sind somit verbunden mit dem Bewusstsein für die Endlichkeit.

    Das zu jedem Monat passende Haiku erweitert das Wahrgenommene um eine zusätzliche Ebene und kann vom Betrachter weitergesponnen werden. Das sehr limitierende Konzept der Jahreszeiten endet voraussichtlich mit der hier vorgestellten Reihe. Die nächsten Blumen-Mandalas werde ich frei oder für bestimmte Menschen gestalten.

    Haiku zu den Blumen-Mandalas

    Januar (Efeu und Christrose auf Stein)
    Eisiger Winter
    Erinnerung in sich trägt
    der Efeu schweigt
    Februar (Nelke und Rose auf Birkenrinde)
    Birken stehen hell
    Farben, erst noch Fantasie,
    begrüßen das Jahr
    März (Löwenzahn und Tulpen auf Erde)
    Löwenzahnmilch
    läuft über die Kinderhand
    die Augen leuchten
    April (Kamille und Gerbera auf Holz)
    Frühlingsmorgen
    die Wiese trägt Blumenschmuck
    erwartet Besuch
    Mai (Gerbera und Dahlie auf Blättern)
    Die Natur atmet
    nach dem Regen noch tiefer
    so auch ich
    Juni (Lavendel und Kirschen auf Stoff)
    Zartes Gewisper
    von Sommer auf der Zungesüße
    Vorfreude
    Juli (Hortensie und Nelken auf Platanenborke)
    Duft wie von Honig
    blühendes Feuerwerk
    Sinne betörend
    August (Sonnenblume und Disteln auf Gartentisch)
    Sonne am Himmel
    und in meinen Händen
    geblendet von Gelb
    September (Apfel und Holunder auf Holz)
    Septemberwind
    bringt alles durcheinander
    Pflanzen und Röcke
    Oktober (Lampionblumen und Beeren auf Stoff)
    Die Nachbarn streiten
    doch der Igel erkundet
    die Schönheit der Nacht
    November (Rotklee und Eicheln auf Moos)
    Zugvögel am Himmel
    im feuchten Moos der Käfer
    huscht unbemerkt weg
    Dezember (Steine und Zweige auf Schnee)
    Stille ringsumher
    nur der Schnee erzählt vom Weg
    der alten Katze
    Andrea Kristina Auffarth 
      
    25.03.1973geboren in Ruit
    1993 – 2005Praktika in den Bereichen Bühnenbild, Messedesign und Text
    10/1993 – 08/1995Studium der Kunstgeschichte und der Literaturwissenschaft an der Universität Karlsruhe
    11/1995 – 06/2004Studium der Visuellen Kommunikation an der Hochschule für Gestaltung Offenbach a. M.
    seit 2005Arbeit als Texterin
    2008 – 2018zwölf weiterbildende Seminare im Bereich Psychologie und Achtsamkeitsmeditation
      
      
    www.rea-ina.de 
    hallo@rea-ina.de 

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